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Archiv : Stimmwercktage 2011 : Musik aus der Schalreuter-Handschrift

Detail aus der „Handschrift des Jodocus Schalreuter”

Die Musik

Die „Handschrift des Jodocus Schalreuter”, die sich heute in der Ratsschulbibliothek Zwickau befindet, gilt als eine der bedeutendsten Quellen deutscher Musik aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die umfangreiche Sammlung von 140 geistlichen Kompositionen, die der Zwickauer Kantor Schalreuter (um 1486  –  1550) zusammengestellt hat, gewährt einen überaus facettenreichen Einblick in ein kirchenmusikalisches Repertoire, das sich bereits unter zunehmendem Einfluß der Reformation befindet und das zudem eine überraschende kompositorische Vielfalt aufweist.

Die Handschriftensammlung vereinigt neben allen wichtigen Vertretern der Generation von Ludwig Senfl auch eine Vielzahl völlig unbekannter Meister, deren Werke in dem Kompendium sogar oftmals als Unikate überliefert sind. Illustre Namen wie Ulrich Brätel, Simon Hausskeller, Wilhelm Breitengraser, Johann Burckstaller oder Nicolaus Kropstein dürften heute selbst kundigen Renaissancemusikfreunden noch nie begegnet sein: ein Beweis für das nachhaltige Wirken vieler „Kleinmeister” jener Zeit, die   –  warum auch immer  –  im Dunkel der Geschichte verschwunden sind. Die Rezeption dieser einzigartigen und zu Unrecht vergessenen Musik stand im Mittelpunkt der Stimmwercktage 2011.

Unsere Gäste

Zu den Stimmwercktagen trugen Gäste von internationalem Rang bei:

John Potter John Potter, ehemaliges Mitglied des legendären Hilliard Ensembles, hielt nicht nur einen Workshop-Vortrag über „Singing Renaissance Music” (aktive Teilnahme von interessierten Sängern durchaus erwünscht), er hat auch das Ensemble mit seinem versierten Gesang unterstützt!

Paul O’DettePaul O’Dette, der wohl gefragteste Renaissance-Lautenist der Welt, stand mit seinem inspirierenden Lautenspiel dem Ensemble bei der Entdeckung der Schalreuter-Handschrift zur Seite.

Nele Gramß Am Abschlusstag hat die Sopranistin Nele Gramß die Stimmwercker ergänzt. Sie gastiert als Liedsängerin ebenso wie als Solistin im Oratorienbereich und als Ensemblemitglied mit so namhaften Gruppen wie dem Gesualdo Consort Amsterdam, Movimento und dem Collegium Vocale Gent im In- und Ausland.

Das Programm

Freitag, 5. August
18.00 Uhr     Eröffnung der Stimmwercktage:
Präsentation der Installation „Lichtraum-Mobile”
Notburga Karl

Die beiden Künstlerinnen Notburga Karl und Margret Becker reagierten in räumlich skulpturaler Form auf die Klänge der Schalreuter-Handschrift und griffen auf ein Medium zurück, das den Schallwellen analog sich ausdehnt, aber andere Sinne anspricht: das Licht, die Reflexion, schwebend im Raum.

Der optisch „leere” Raum wurde aktiviert, die Wahrnehmung von Rhythmus, Melodie, Intonation und Modulation der klaren Stimmen von inszenierten Lichtbewegungen durchzogen.

19.00 Uhr     Künstlergespräch in der Kirche:
Dr. Juan Martin Koch (NMZ) im Gespräch mit dem Lautenisten Paul O’Dette
20.00 Uhr     Eröffnungskonzert:
„Bergkholcz, Eckel, Rab . . . ? Nie gehört!”
Deutschsprachige Komponisten in der MS Schalreuter
Ensemble Stimmwerck und John Potter
Samstag, 6. August
NEU!
Tagesakademie in Hummelberg
Erstmals fand in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Volksbildungsverband und der Katholischen Erwachsenenbildung Regensburg eine kleine Akademie statt, die über die üblichen Vorträge vor den Konzerten hinaus einen Einblick in die Welt der Renaissance und andere interessante Themen gab.
Interessenten (Sänger und passive Teilnehmer) für den Workshop mit John Potter waren eingeladen, sich unter info(at)stimmwerck(dot)de anzumelden.
12.30 Uhr     kurze öffentliche Probe in der Kirche
Dauer: ca. 20 Minuten
Stimmwerck, John Potter, Paul O’Dette
gemeinsame Wanderung
zum Akademieort Hummelberg
13.00 Uhr     Referat:
Die Schalreuter-Handschrift  –  Entstehung und Wirkung
13.45 Uhr     Referat:
Einführung und praktische Tipps zum Lesen der Mensuralnotation
Prof. Dr. Franz Körndle (Musikwissenschaftliches Institut der Universität Augsburg)
Inhalt sowie Rezeptionsgeschichte und Herkunft dieser bedeutenden Handschrift der deutschen Musikgeschichte wurden eingehend erläutert. Den Zuhörern wurde zudem an Hand ausgewählter Motetten der Schalreuter-Handschrift ein Einblick in die Notation jener Zeit (die sogenannte Mensuralnotation) vermittelt.
15.00 Uhr     Referat und Workshop:
Singing Renaissance Music
John Potter
Dr. John Potter (York, UK) mit Paul O’Dette und Kursteilnehmern
Dauer: ca. 2 Stunden
Die Musik der Renaissance übt wie kaum eine andere Musik einen Zauber auf die Herzen der Menschen aus. Was aber macht das Besondere dieser Musik aus? Welche Voraussetzungen müssen Sänger mitbringen, um dieser Musik gerecht zu werden? Diese und ähnliche Fragen sowie Tipps und Anregungen zu Fragen der Phrasierung, der Intonation und der Stilistik erläuterte der englische Tenor John Potter, der viele Jahre mit dem legendären britischen Hilliard-Ensemble die Welt bereist hat und bei allen bedeutenden Festivals zu Gast war.
19.00 Uhr     Vortrag in der Kirche:
Tenore und Gegentenore  –  eine stimmphysiologische Betrachtung

Dr. Matthias Echternach (Institut für Musikermedizin der Universität Freiburg) erklärte die Stimmtechnik der Countertenöre.

Der Vortrag präsentierte einen medizinisch-videotechnischen Blick in eine Countertenorkehle (Franz Vitzthum) während einer Bach-Arie.

Dr. Matthias Echternach

20.00 Uhr     Konzert:
„O spes hominum”  –  Hochkaräter zu Gast in Zwickau

Ensemble Stimmwerck, John Potter, Paul O’Dette

Paul O’Dette
Sonntag, 7. August

16.00 Uhr     Vortrag in der Kirche:
Alte Musik aus Sicht der Rundfunks  –  ihre Rolle in Vergangenheit und Gegenwart

Dr. Barbara Schwendowius
Dr. Barbara Schwendowius (Köln)
Produktions- und Sendebedingungen, Musikmarkt und historisch informierte Aufführungspraxis: das sind vier Komponenten, die auch heute noch bei der Alten Musik besonders zu berücksichtigen sind  –  im Gegensatz zum gängigen Konzertbetrieb und -repertoire. Veränderte Organisations- und Programmstrukturen erfordern neue Formen der Präsentation im Hörfunk. Auch der „Musikredakteur” muss sich neu definieren. Das Repertoire: Barock ist allgemein akzeptiert, Renaissance und Mittelalter nur punktuell vorhanden.
Die Musikwissenschaftlerin Dr. Barbara Schwendowius war von 1978 bis 2004 Redakteurin für Alte Musik beim WDR Köln.

17.00 Uhr     Konzert:
„Seid ihr denn stumm?”

Große Psalmen und Responsorien der Schalreuter-Handschrift

Stimmwerck, Nele Gramß, John Potter

Nele Gramß
ca. 18.00 Uhr     CD-Präsentation im Prößl-Saal:
„Orlando di Lasso  –  Susanne un jour”
10 Jahre Stimmwerck
Im Anschluß an das Konzert gab es zum zehnjährigen Stimmwerck-Jubiläum im Prößl-Saal ein Geburtstagskonzert:
Deutsche Lieder der Renaissance von der neuen CD zusammen mit Paul O’Dette (Renaissance-Laute) und John Potter (Tenor).
Ein Fass Freibier sorgte für angemessene Stimmung!